
Bei der Suche nach den unterbewußten Motiven, die zur Verabschiedung des fürchterlichen Gesetzes geführt haben, sollten wir nicht bei den Schutz- und Fürsorgeanliegen stehenbleiben.
Sie sind aber, wir haben das bereits ausführlich dargestellt, unbedingt ernstzunehmen und ich bin weit davon entfernt, die ernsthaften Bemühungen der verantwortlichen Politiker um den Schutz der Jugendlichen ins Lächerliche zu ziehen:
Fast jede Maßnahme, die wirklich geeignet ist, um Jugendliche aus dem schrecklichen Sumpf von Prostitution, Abhängigkeit und Ausbeutung zu ziehen, muß in Angriff genommen werden. Der Kriminologe, noch mehr der Pädagoge wird die entsprechenden Teile des neuen Gesetzes sehr begrüßen, der Jugendrichter wird tief aufatmen, Polizei und Jugendämter ebenso.
Nachdem dies ausdrücklich und ohne Einschränkung festgestellt worden ist, wenden wir uns dem wahnwitzigen Teil des Gesetzes zu, der widerlichen, dummen und in der Praxis undurchführbaren, brandgefährlichen, ja v e r m e s s e n e n Zugriffe auf die Freiheit der Kunst in Bild, Text und Film mit Hilfe des Jugendpornographiebegriffs.
Ich bin, auch dies soll vorausgeschickt werden, kein manischer Apostel der Psychologie (des Unbewußten) . Sie verführt zu vorschnellen Auslegungen und Zuschreibungen. Es gibt aber Bereiche, in denen sich eine psychologische Interpretation geradezu aufdrängt. Mit einem solchen Fall haben wir es hier zu tun.
Versuchen wir in diesem Sinne einmal die Gemütslage der beteiligten Politiker - jenseits der unbezweifelten Schutzmotive - etwas gründlicher abzuklopfen.
1.
Neid und Haß des alternden Menschen auf jugendliche Schönheit, Anmut und Liebenswürdigkeit
Dieses Motiv ist in der Menschheitsgeschichte sehr alt, vermutlich hat es mehr Unheil angerichtet, als man auf den ersten Blick annehmen möchte.
Bei den Männern trägt der Neid und Haß auf den jugendlichen Nachwachsenden undeutlichere Züge. Das Motiv ist gelegentlich gekoppelt mit Angst vor eigenen homophilen Tendenzen, wird auch - erfreulicherweise - überlagert durch natürliche Kameraderie und Führungsübernahme, durch Verantwortungsgefühl und Protektion. Dennoch ist der instinktive, "unerklärliche" Haß auf den schönen, potenten jugendlichen Konkurrenten auch bei Männern oft zu beobachten.
Nicht so abgeschwächt sehen wir das bei den F r a u e n. Hier wütet der Neid des alternden Weibes, dem der Spiegel jeden Morgen neu die schleichende Zerstörung der Haut vor Augen führt, mit dem quälenden Verlust an Lebensgefühl, den Turbulenzen des Hormonhaushalts - und die ausbleibenden Blicke der Männerwelt beweisen es: Meine Liebe, mach dir nichts vor, du wirst Ausschuß auf dem Markt der Erotik - - - und da drüben, dies junge Ding, es hat alles das, was dir weggenommen wird.
Man geht bei einer alternden Frau nie fehl, wenn man im Kern das ganze Fühlen und Handeln auf den Machtkampf um erotische Attraktivität, um das Begehrtsein zurückführt.
Nur Mütterlichkeit bildet, gottseidank, einen ähnlich starken Gegenpol.
Wer einmal den elementaren Haß, den grenzenlosen Neid einer Frau gegen jugendliche Schönheit des eigenen Geschlechts miterlebt hat, der tadelt mich keinen Augenblick dafür, daß ich dieses Motiv in das Zentrum stelle.
Das weibliche Element in der Politik wirkt weitaus stärker i n d i r e k t, d.h. über die Ehefrau, die Mutter, die Geliebte des verantwortlichen Politikers. Ich meine also zunächst gar nicht die direkt beteiligten Politikerinnen, denen ich ohnehin keine persönlichen Motive unterstellen kann und auch nicht möchte. Das wäre beleidigend, wäre viel zu kurz gedacht und töricht. Vielmehr handelt es sich um ein kompliziertes, im Endeffekt aber starkes und gleichförmiges Einwirken des weiblichen Elements auf die m ä n n l i c h e n Politiker ganz allgemein und ohne Ansehen der in diesem Falle direkt handelndenden Politikerinnen.
Wer verheiratet ist, weiß, wovon ich spreche.
Es geht der Frau um die faktische ZERSTÖRUNG UND BESTRAFUNG DER weiblichen JUGENDLICHEN NACKTHEIT in Bild und Text.
Motiv: Eifersucht.
Besonders dort, wo sie, diese revalisierende weibliche Jugend, k e c k, u n g e z ä h m t, f r e c h und s c h a m l o s einherkommt, wo sie sich also nicht durch den (unsäglichen...) "Kunstbegriff" das düstere Gewand der Nonne übergestreift hat, sondern n a c k t ist.
Eine KECKE, NACKTE WEIBLICHE JUGEND wird die alternde Frau niemals "ungestraft" dulden, sie wird versuchen, das "junge Gemüse" abzuwerten, abzuschaffen, sie wird die jungen Rivalinnen zwingen, ihre Reize zu bedecken, sie wird sie v e r b i e t e n.
Noch besser: Sie demütigen. Aschenputtel ist überall.
Die damit verbundenen Prozeduren der Beschämung - Stigmatisierung der "Besitzer" und der virtuellen Nutzer eben dieser kecken, nackten, weiblichen jungen Rivalinnen - erfüllen i d e a l das R a c h e b e d ü r f n i s der alternden Frau. Das System ist perfekt!
2.
Das Pauschalargument vom religiösen Fundamentalismus entbehrt weitgehend der Grundlage
Wir gehen völlig in die Irre, wenn wir alte Klamotten aus der Zeit des Volkswartbundes hervorholen und den Kirchen Mitwirkung oder doch Drahtzieherei im Hintergrund vorwerfen bei der Entstehung des grauenvollen Gesetzes.
Ein Blick in ältere und neuere kirchliche Verlautbarungen zeigt eher das Gegenteil: Eine nur in einigen Grundsatzfragen unbeirrbar feste, ansonsten aber menschenfreundliche, liberal-verständnisvolle und sehr weise Einstellung der großen Kirchen wird da deutlich.
Gegen durchgeknallte Außenseitergrüppchen, von fränkischen Madonnensekten bis zu sizilianischen Marientränen-Hilfsvereinen kann man ohnehin nichts machen, um die geht es aber sicher nicht.
Im Rahmen einer kleinen wissenschaftlichen Arbeit werte ich seit Monaten Ausschnitte aus der Provinzpresse in den USA und in Australien/ Neuseeland aus. Was die Kirchen, auch die konservativen größeren Gemeinschaften, in den USA angeht, kann ich ein bestimmendes Einwirken auf die Rechtspflege eher nicht erkennen. Wir sind da mit unserer Pauschalargumentation im fernen Europa auf dem Holzweg.
Was ich erkenne, und das mit tiefem Erschrecken, ist eine flächendeckende und inzwischen "ganz selbstverständliche" P e r v e r t i e r u n g des Rechtsdenkens und der Rechtspflege auf der ö r t l i c h e n und der Bundesstaaten-Ebene. Das hat mit religiösem Fundamentalismus eher wenig zu tun, viel aber mit einem Verlust der menschlichen Maßstäbe, des Mitgefühls, des sozialen Augenmaßes.
Gericht und Justizverwaltungen in den USA sind zur Zeit in den USA streckenweise ganz einfach v e r k o m m e n. Das hat viele Gründe, unter denen der bei uns so gern zitierte religiöse Fundamentalismus offenbar eine eher nachgeordnete Rolle spielt.
In irgendeinem aufgeklärten Akademikervorort von Los Angeles geht es im Bereich der lokalen Justiz ebenso absurd und grotesk zu wie in einer Kleinstadt im "Bible Belt".
3.
Diffuse Angst vor der Allgewalt des Internet
Das kann jeder von uns bei Freunden und Bekannten beobachten, die sich zwar gut ins Netz eingearbeitet haben, denen von der eigenen Schul- und Universitätsausbildung her der Computer aber im Grunde ein Fremdkörper war - und trotz aller Bemühung immer noch ist: Ein fundamentales M i ß t r a u e n dem Computer, noch weit mehr aber dem weltumspannenden Netz gegenüber sitzt bei fast allen älteren Menschen tief.
Auch unsere Politiker sind überwiegend nicht grundvertraut mit dem neuen Medium. Ich kann das persönlich gar nicht einfühlen, da für mich das Internet der Anfangszeit, in den Jahren vor 1998, das ideale Mittel zum Quereinstieg war und ich ganz selbstverständlich seither täglich meine 3-5 Stunden im internationalen Netz zubringe. So fühle und weiß ich, daß und wie sich das Netz immer wieder selbst r e g u l i e r e n kann, daß es seine Heilungsmittel qua Struktur in sich selber mitbringt und mitträgt.
Älteren Politikern, die nicht so vertraut werden konnten mit dem Internet, haben dieses Vertrauen nicht.
ANGST IST EIN SEHR SCHLECHTER RATGEBER.
Das neue Gesetz ist auch ein verzweifelter, blindwütiger Versuch, die Netzangst älterer Menschen zu bewältigen.
Ich habe auf meiner Liste noch weitere mögliche Beweggründe, glaube aber, daß die zwei obengenannten Motive (1) und (3) die Entstehung des neuen Gesetzes aus der Sicht der maßgeblichen Politiker im Kern abdecken, während ein oft vermutetes Motiv (2) eine recht geringe Rolle spielen dürfte.
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1 Kommentare:
Das mit der Eifersucht des alternden Weibes auf die kecke, ungezähmte, freche, schamlose und ...begehrte... Jugend als unbewusstes Motiv, würde einige Widersprüche des Feminismus, der bei dieser Gesetzgebung eine Rolle gespielt hat, durchaus erklären.
Aber natürlich spielt die kirchlich/religiöse Sexualrepression ebenfalls eine Rolle, einerseits weil sie bei uns bereits zum ererbten konservativen Kulturgut geworden ist, andererseits durch den Einfluss der religiös verblendeten Bush-Regierung auf die europäischen Entscheidungsträger.
Weitere Faktoren waren wohl Dummheit und Systemmängel im politischen Entscheidungsprozess und, ganz wichtig, politischer Populismus.
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